Ein Musikinstrument so zu spielen, wie man singt. Innerhalb des Riederinger Trachtenvereins eine Gruppe Weisenbläser aufzuziehen, das war die Idee, als der Berger Walter und der Staber Sepp Anfang der 90er Jahre überlegten, die eigenen Kinder und die vom Brückner Ralf dafür zusammenzuspannen. Woher die Instrumente? Stabers Großtante spendierte 1000 Mark. Der Daxelberger Hartl finanzierte Flügelhorn und Tuba. Aus dem Erbe vom Staber Schorsch gingen Pauken und Landsknechtstrommeln her. Und der Vodermaier Peter aus Hetzenbichl besorgte günstig die Instrumente.

Unter den Kindern einigte man sich schnell, wer welches Musikinstrument spielen wollte. Der Seppi griff nach dem Flügelhorn. Dem Maxi blieb die Tuba. Alle miteinander fingen gleichzeitig an. Von vornherein haben sie sich als Gruppe verstanden. Keiner spielte für sich allein. Als Lehrer fand sich Matthias Linke von den Grassauer Blechbläsern, einem Ensemble, das sich wegen seiner feinen Spielart einen Namen gemacht hat. Es gab Vorbilder, fast schon Idole, die wichtig waren, den eigenen Weg zu finden. Den Erich Gawlik von den Laubensteiner Weisenbläsern zum Beispiel oder den Peter Reiter, den Gründer von Ruperti-Blech. Einmal, als sie das Hirtenspiel im Prinzregententheater in München aufführten, probten sie während der Pause hinter der Bühne. Das fiel dem Musikanten und Verleger Karl Edelmann aus Kreuth auf. “Den Tegernseer Musikantenmarsch, den probierts!”, hat er gemeint und ihnen dann immer wieder ein weiteres Stückl versprochen, wenn sie das letzte gemeinsam spielen konnten. Ab und an nahm er auch Einfluss auf die Interpretation und gab bei einem Musikstück den letzten Schliff. So entwickelte sich nach und nach ein Repertoire. Allererste Auftritte? Kleine Sachen! Geburtstage! Ständchen! Kinder in Tracht mit übergroß wirkenden Instrumenten, das zeigte neben dem Musikalischen seine Wirkung. Heute ist jeder von ihnen mit seinem Instrument bestens vertraut. Hineingewachsen und zusammengewachsen sind die Jungen Riederinger Musikanten: Am Flügelhorn Josef Staber junior, Regina Gasbichler, Andreas Buntscheck und Sebastian Schwaiger. An der Trompete Florian Brückner. Am Waldhorn Agnes Staber. Am Tenorhorn Martin Siflinger. Am Bass-Flügelhorn Dominikus Brückner und Franz Staber (Baryton). Andreas Englmann am zweiten Waldhorn und an den Klarinetten Angelina Brückner und Elisabeth Hamberger. An der Posaune Franz Maier und an der Tuba Martin Weyerer.

Einen Kapellmeister und Dirigenten braucht es nicht. Die jungen Riederinger sind gut aufeinander eingespielt. Im steten Zusammenspiel entstand über die Jahre eine Harmonie, die sie nicht nur musikantisch, sondern auch gruppendynamisch ernst nehmen. “Was schafft einer allein ohne die anderen!” Miteinander finden sie die gemeinsame Tonlage im doppelten Sinn. Einen muss es geben, aus praktischen Gründen, der beim Aufspielen das letzte Wort hat: Josef Staber junior. Er gibt den Einsatz an, bestimmt das Tempo, organisiert die Auftritte.

Um innerhalb der bunten Volksmusikszenerie, wo es wimmelt von Gemischtwarenmusik aller Art, wo aber auch feinste Spielarten alpenländischer Volksmusik möglich sind, die eigene Position zu finden, helfen allein kritische Abgrenzungen und Selbstvertrauen. Die elterliche Herkunft der Staberkinder aus einer alteingesessenen Riederinger Sängerfamilie hat mit Sicherheit dazu beigetragen, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Ein Zufall führte die Jungen Riederinger Musikanten mit dem heimatbewussten Theaterdirektor Christian Stückl zusammen. Weil er den Charakter ihrer Musik zu schätzen wusste, brachte er die Riederinger auf die Bühne des Münchner Volkstheaters. Dass seit zwei Jahren jede Aufführung des Brandner Kaspar und das ewige Leben ausverkauft ist, mag auch an der Bühnenpräsenz der Riederinger liegen. Ihr musikalisches und schauspielerisches Vermögen geht sogar so weit, dass ihr ehemaliger Tubist neben dem Brandner die Hauptrolle des Boandlkramer übernahm. Wenn sich den jungen Riederingern auch noch so spektakuläre Auftritte bieten, sei es bei der Eröffnungsfeier der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in der Allianzarena in München, sei es im gleichen Jahr beim Gastpiel des Brandner Kaspar in Rio de Janeiro, bleiben sie dennoch ihren Wurzeln treu. Zur Hochzeit aufspielen, zu einem Fest, das den Höhepunkt eines Lebens ausmacht, da kommt es den Musikanten darauf an, das Fest würdevoll mitzutragen. Zum Tanz aufspielen, das gehört zum Schönsten überhaupt, weil die Leut ja als Tanzende nach der Musik unmittelbar mit dabei sind. Der Auftritt in der Kirche ist kein Auftritt sondern eine fromme Handlung. Zuerst wird in der Messe gespielt, dann erst kommt die weltliche Musik. Diese Reihenfolge hat Priorität, auch wenn sie nicht immer eingehalten werden kann. Musik dient nach bayerischer Festtradition zuallererst dem Geistlichen dann erst – nicht weniger intensiv – dem Weltlichen.

Allesamt sind die Jungen Riederinger Musikanten Mitglieder im Trachtenverein. Das zeigen sie weit über Riedering hinaus, denn immer und überall treten sie in dem Gwand auf, in dem sie aufgewachsen sind, in der Riederinger Tracht.

aus der Festschrift des Trachtenvereins Almengrün Riedering zum 100-jährigen Gründungsjubliäum










Volkstheater
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