Sagt ein Schüler zur Lehrerin, es gäbe Sachen im Leben, die wichtiger sind als die Schule, dann meint er - kommt er aus Riedering - das Hirtenspiel. Von Oktober an proben Kinder des Riederinger Trachtenvereins unter der Obhut von Josef Staber junior und Dominikus Brückner ein Singspiel, das sie dann, in der vorweihnachtlichen Zeit u.a. im Kurhaus zu Berchtesgaden, in der Festhalle in Aschau, im Münchner Volkstheater und zuletzt immer in der Kirche von Riedering vortragen.

Angefangen hat es 1989, als Josef Staber senior die Jugendarbeit im Verein übernahm und das Hirtenspiel für die Weihnachtsfeier des Vereins einstudierte. Die eigenen vier Kinder, vier Brücknerkinder, drei Bergerkinder und der Martin Siflinger waren die ersten Hirten. Als damals das Hirtenspiel am Stefanitag beim Patenverein in Grainbach und dann auch noch in der Stadthalle Rosenheim zur Aufführung kam, schienen Erfolg und Nachfrage bereits programmiert. Heute spielen die Riederinger Trachtenkinder das Hirtenspiel in der dritten Generation und sind dafür landauf und landab bekannt. Dass sich ein Erfolg rein zufällig einstellt, ist bekanntlich ein Gerücht. Der dramaturgische Anspruch, schauspielerische und musikalische Leistungen als Einheit zu verstehen, ist zwar hoch gesteckt, doch die Hirtenkinder sind mit Ernst bei der Sache. Jedes Hirtenkind spielt so, wie es seinem Charakter entspricht. Der eine ist aufgeweckt, gar frech, der andere zurückhaltend und traut sich noch nicht so recht. Wie bei den Hirten im echten Leben ist das Spiel so angelegt, dass jeder Charakter, jede Person seine Geltung hat. Ein starker Auftritt kommt deshalb zustande, weil die Kinder wissen, dass sie sich aufeinander verlassen können. Es gibt nicht den Hauptdarsteller und daneben die kleinen Rollen. Es ist das Miteinander, das die Hirtenkinder als Gruppe stark macht. Auch wenn jede Bühne anders ist, der Zusammenhalt unter den Spielern ist es, der bei Auftritten spontane Änderungen nicht zum Problem werden lässt. Und so stellte sich nach und nach die wertvolle Bühnenerfahrung ein, die als Voraussetzung wichtig war, als die Riederinger Trachtenkinder unter der Regie von Christian Stückl beim Jedermann in Salzburg mitspielten.

Ein Vorbild für das Hirtenspiel gibt es. Tobi Reiser senior hat das Spiel in das Programm vom Salzburger Adventssingen eingebracht. Doch haben die Riederinger das Spiel nicht einfach übernommen. Sie bauten es aus, verbesserten nach und nach die Kostüme, übten die Dreistimmigkeit à capella, stärkten den Rhythmus durch Paschen im schnellen Dreiviertel und bereicherten das Spiel mit Flöten und Blechbläsern, mit Geigen und Ziach. Das Riederinger Hirtenspiel gelingt im Dreiklang von ausgeklügelter Choreographie, gutdurchdachter Dramaturgie und natürlicher Musikalität.

Gemeinsam fahren die Kinder zur Aufführung, singen im Bus einen Jodler, der mit dem Hirtenspiel gar nichts zu tun hat, erzählen dem Seppi und dem Nicki von manchen Sorgen aus ihrem Alltag und vergessen sie wieder, wenn das Lachen und Albern die Oberhand gewinnen. Jeder Darsteller trägt seine Verantwortung. Die Älteren passen auf die Jüngeren auf. Der Seppi und der Nicki sind die oberste Instanz. Und so halten alle zusammen, die Hirten aus Riedering.

aus der Festschrift des Trachtenvereins Almengrün Riedering zum 100-jährigen Gründungsjubliäum



Ansprechpartner:
Sepp Staber jun.
Salinweg 5
83083 Riedering

+49 (0) 1 60 / 97 81 15 76
Volkstheater
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